Bertha Pappenheim - Anna O.

Biographie

pappenheim

Im Frühjahr 2004 erschien die
Biografie bei Reclam als
Taschenbuch unter dem Titel:

Sigmund Freuds Anna O.
Das Leben der Bertha Pappenheim.

12.90

Leseprobe | Rezensionen

Bertha Pappenheim (1859-1936).

 

GEGEN EINEN IRRTUM, der offenbar unausrottbar ist:

Bertha Pappenheim war niemals Patientin von Sigmund Freud!

Bertha Pappenheim wurde 1859 geboren, Sigmund Freud 1856. Als 1880 ihre Krankheit ausbrach, war Freud noch Student der Medizin. Er war befreundet mit dem Internisten Dr. Josef Breuer, der ihm von seinem "Fall" erzählte und Freud neugierig auf diese Patientin machte, die er vom Namen her kannte, weil sie wiederum mit seiner Verlobten befreundet war.
Freud fragte seinen älteren Freund Breuer immer wieder über die Entwicklung von Bertha Pappenheim aus und war höchst interessiert an der weiteren Entwicklung der Kranken. Viele Jahre später, als Bertha Pappenheim gesund geworden war und schon nicht mehr in Wien lebte, bat er Breuer, für seinen Sammelband: "Studien über Hysterie" einen Krankenbericht über den Fall Pappenheim zu schreiben. Aus Bertha Pappenheim wurde Anna O. (Selbstverständlich für die damalige Zeit, ohne die Betroffene gefragt zu haben, ob sie mit einem Bericht über ihre Krankheit einverstanden wäre. Sie hätte sicher abgelehnt.)

Die Identität von Anna O. und Bertha Pappenheim wurde erst lange nach Bertha Pappenheims Tod von dem Freud-Biografen Ernest Jones - beiläufig in einer Fußnote - enthüllt und erregte Anfang der fünfziger Jahre große Aufmerksamkeit und Verstörung.

Dass Freud immer wieder so eng mit Bertha Pappenheim alias Anna O. in Verbindung gebracht wurde bis hin zu dem Irrtum, sie sei seine Patientin gewesen, hat Freud letztlich selbst begründet, weil er ihre Krankheit und Gesundung eine Zeitlang als wesentliche Inspiration für seine Psychoanlayse bezeichnet hatte.

Leider hat der Reclam Verlag, als er meine Biografie über Bertha Pappenheim ins Taschenbuch nahm, den irreführenden Titel: "Freuds Anna O." ohne meine Zustimmung benutzt. So schleichen sich die Irrtümer durch die Geschichte und sind schwer zu korrigieren.

Die bedeutende Sozialpionierin und Gründerin des Jüdischen Frauenbundes Berha Pappenheim hat später nie über ihre Krankheit gesprochen. In Wien geboren und aufgewachsen, siedelte sie als erwachsene Frau nach Frankfurt über. In der jüdischen Gemeinde entwickelte sie aus der traditionellen Armenpflege eine professionelle Sozialarbeit, kämpfte für die Rechte der Frauen, gegen Mädchenhandel und Mädchenhändler. Auch übersetzte sie bedeutende Schriften aus der jüdischen Literatur, u.a. die "Memoiren der Glückel von Hameln".

 

Wer Bertha Pappenheim und ihr Werk kennen lernt, stößt auf Probleme wie den Mädchenhandel und die Zwangsprostiution, die mehr als hundert Jahre später leider immer noch hoch aktuell sind.

 

Leider sind beide Ausgaben der Biografie vergriffen und jetzt als E-Book erhältlich. Im Antiquariat wird man vielleicht auch fündig.