Aktuelle Lesungen

LESUNGEN UND VORTRÄGE:

 

Marianne Brentzel liest

1903 und 1943.
Mutter und Tochter im Gespräch

am Sonntag, den 6.11. um 15.00 Uhr
bei Pro Vita
Bremer Tor 13
49377 Vechta

In einem imaginierten Gesprächen nähern sich Mutter (geboren 1903) und Tochter (geboren 1943) an. Die Leser begegnen einer Frau im beginnenden XX. Jahrhundert mit all seinen Hoffnungen, Verzerrungen und Katastrophen. Sie hat diese Jahre intensiv durchlebt und geht mit ihrer Tochter in einen Dialog.

offene Veranstaltung. Eintritt 2 Euro

 

 

Marianne Brentzel liest zum Auftakt der Veranstaltungseihe
'Zum Gedenken an den Holocaust'

Nesthäkchen kommt in KZ
Das tragische Schicksal der Nestäkchen-Autorin Else Ury

am Montag, 7.11. um 17.30 Uhr
in der Kreisvolkshochschule Vechta
Bahnhofstraße 1
49377 Vechta

Aus Anlass des 80. Todestags von Else Ury am 13. Januar 2023 soll im Rahmen einer einer Lesung an der Kreisvolkshochschule ihrer gedacht werden.

Wer war Else Ury?

Alle Welt kennt Nesthäkchen. Mit einer Auflage von fast sieben Millionen zählen diese Mädchenbücher zu den vertrautesten des 20. Jahrhunderts. Doch das Schicksal der Autorin Else Ury lag lange Zeit im Dunklen. Ihre berühmten Bücher vom blonden, immer munteren Nesthäkchen von den Puppen bis zum weißen Haar lassen von ihrem Schicksal nichts ahnen.
Doch hinter der Fassade der heilen Nesthäkchenwelt lauert das reale Leben einer deutschen Jüdin. Sie wurde im Januar 1943 zusammen mit mehr als tausend Berliner Jüdinnen und Juden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 

1992 erschien die von Marianne Brentzel errbeitete Biografie Else Urys unter dem Tittel: Nesthäkchen kommt ins KZ - Eine Annäherung an Else Ury.

In der überarbeiteten Version heißt die Biografie heute: Mir kann doch nichts geschehen. Das Leben der Nesthäkchenautorin Else Ury.
Beim Vortrag  entsteht ein Panorama des Berliner Bürger- und Judentums während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik und ein eindringliches Bild des Alltags der jüdischen Entrechtung und Verfolgung während der Nazidiktatur. »Jede Frau, die mit Nesthäkchen aufwuchs, sollte wissen, wer Else Ury war. Und es ihren Töchtern weitersagen. Gerade heute.« Die ZEIT

 

 

 

80. Todestag Else Ury.

Am 6. Januar 1943 wurde Else Ury in die Deportationssammelstelle Große Hamburgerstraße 26 in Berlin-Mitte gebracht. Sechs Tage musste sie dort verbringen. Am 11. Januar erreichte sie die amtlich vorgedruckte Zustellungsurkunde des Gerichtsvollziehers mit dem Bescheid über den Verlust ihrer Staatsangehörigkeit und der daraus folgenden Vermögenseinziehung.
Sie kam am 13. Januar nach 20-stündiger Bahnfahrt in einem Güterwaggon in Auschwitz an. In Auschwitz-Birkenau wurde sie mit mehr als 1000 Deportierten in die Gaskammer getrieben und ermordet.

Am 13. Januar 2023 jährt sich dieses schreckliche Ereignis zum 80. Mal.
Ich werde am

14. Januar 2023 19 Uhr  

Zu einer Gedenkveranstaltung für Else Ury einladen.

Primobuch

Herderstr. 24 / Ecke Gritznerstr.
12163 Berlin-Steglitz
Tel. 030 70 17 87 15

Ich werde dort aus meiner Else-Ury-Biografie:
Mir kann doch nichts geschehen.
Das Leben der Nesthäkchenautorin Else Ury lesen.

Am 13. Januar werde ich auf dem Friedhof Weißensee an dem Grab ihrer Eltern, wo es ein Memoriam für Else Ury gibt, Blumen niederlegen.

 

 

 

RATHAUSSTURM

Am 10. April 1973 wurde das Bonner Rathaus für kurze Zeit besetzt. Rote Fahnen hingen aus den Fenstern des historischen Rathauses. 

Was war der Anlass?
Anfang 1973 war bekannt geworden, dass der südvietnamesische Präsident Thieu in Deutschland empfangen würde. Das sahen einige Gruppierungen, die aus der Studentenbewegung hervorgegangen waren, als ihre große Chance, sehr viel mehr Menschen als bisher für eine kämpferische Solidaritätsaktion für das vietnamesische Volk zu gewinnen. Nguyen Van Thieu galt als der Lakai der USA, der mit Folter und Unterdrückung das Volk vom Kampf gegen die USA abhielt. 

Ein winziger Kreis um Christian Semler und Jürgen Horlemann von der sich KPD nennenden Partei hatte die spektakuläre Aktion detailliert geplant, zusammen mit einer öffentlichen Demonstration auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, exakt zu dem Zeitpunkt des Empfangs von Thieu bei Bundespräsident Heinemann.

Ein Bericht über eine radikale Protestbewegung und ihre juristischen und gesellschaftlichen Folgen in der alten Bundesrepublik.

Die ausgiebigen Recherchearbeiten wurden von Hugo Brentzel, meinem verstorbenen Ehemann geleistet. Ich habe aufgeschrieben, ausgedacht und zu Ende geführt.

Das Buch ist ab Mai 2021 erhältlich:

Marianne Brentzel: Rathaussturm. Geest Verlag

 

Hier eine Reihe von Reaktionen auf Lesung und Buch:

Ein damals Beteiligter: 

Die von Dir und Hugo gesammelten Beiträge des Buches waren wie ein Blitzlichtgewitter in die Vergangenheit, die plötzlich wie Gegenwart aufgetaucht ist und ungläubiges Staunen darüber auslöst, was damals scheinbar völlige Selbstverständlichkeit war.
Natürlich weiß man „heute alles besser“, aber ich bin sicher, dass andere, die heute in unserem damaligen Alter sind, später ähnlich auf die eigene Vergangenheit zurückblicken, wenn eine solche Flut von Bildern bei Ihnen ausgelöst wird und ihre Gedanken nicht durch das tägliche Bombardement, das heute von vielen täglich genossen wird, längst ausgelöscht sind, wie von Festplatten.
Diese Bilderflut ist wie das Aufbrechen von Sedimentschichten, in denen Knochen, Werkzeuge, Waffen, Töpfe und viele Scherben lange verborgen waren und plötzlich ein Bild vom dem Alltag entstehen lassen, über den sich die Geschichte hinweggewälzt hat, von dem aber mit Sicherheit Teile immer weiter leben werden.
Nochmals vielen Dank für die aufregenden Bilder und verqueren Gedanken, die bei der Lektüre aus dem offensichtlich noch lange nicht Vergessenen aufgetaucht sind.

Eine Zuhörerin aus Dortmund:

Ich fand den Bericht und die ausgesuchten Passagen ausgezeichnet, auch modulierst du anders mit deiner Stimme als so manch andere. Ja, interessiert hat das Ganze schon.
Damals hatten einige gedacht, der Sturm aufs Rathaus wäre aus einer Demo heraus plötzlich entstanden. Jetzt wissen wir es besser.

 

Eine alte Freundin:

Viel Erfolg trotz der noch eingeschränkten Öffentlichkeit! 
Ich find's super, dass du es geschafft hast, das neue Kind zur Welt zubringen. Hugo auf Wolke 7 wird sich freuen!. 

Ein Beteiligter:

„Was wir daraus lernen können ist das, dass wir tatsächlich in viel stärkerem Maße als wir jemals angenommen haben solche Aktionen und Demonstrationen planen können, und dass wir auch den Einsatz von Gewalt planen können.“ – Markige Worte von Christian Semler, allerdings nicht zur Bonner Rathausbesetzung, sondern 5 Jahre zuvor, nach der sogenannten „Schlacht am Tegeler Weg“, die mit über 100 verletzten Polizisten in Berlin eine neue Stufe der Militanz signalisierte.
 (...)
Für die Weltgeschichte war die Rathausbesetzung ein Treppenwitz, aber für die selbsternannte „Partei der Arbeiterklasse“ war es ein riesiges Erfolgserlebnis, welches die bedrängenden Ohnmachtsgefühle vergessen ließ, die sich jeden Morgen einstellten, wenn man frierend und müde vor den Werkstoren stand und der vorbeihastenden Arbeiterklasse ein paar Flugblätter aushändigte oder vergeblich versuchte, den „Kollegen“ das „Zentralorgan“ zu verkaufen. Man muss es so klar benennen: die Besetzung des Rathauses war im Grunde nichts weiter als eine gruppendynamische Intervention, die uns für einen Moment glauben ließ, dass wir nicht nur eine relevante Kraft im politischen Tagesgeschehen waren (immerhin haben es Horlemann und Semler auf diese Weise ins Fernsehen geschafft), nein, wir waren zugleich auch aktive Teilnehmer am revolutionären Befreiungskampf der unterdrückten Völker in aller Welt! (...) Es war eine identitätsstiftende Maßnahme, die durch die anschließende polizeiliche Verfolgung nur noch bestärkt wurde: wir durften uns plötzlich sehr bedeutend fühlen. Wir hatten den Staat herausgefordert, und er hat uns tatsächlich ernst genommen!
 (...) Die Rathausbesetzung war zum Glück nur ein Sandkastenspiel von einigen tausend Psychopathen, aber die mentale Skrupellosigkeit, mit der wir damals unterwegs waren, ist im Rückblick wirklich erschreckend. Kein Wunder, dass viele der Genossen von damals beschämt über dieses Kapitel in ihrer Biographie schweigen. (...)
(...) Vielleicht waren viele von uns nur Kanonenfutter, wie es an einer Stelle in diesem Buch heißt, aber wir haben diese Kanonen nur allzu bereitwillig gefüttert, und keiner kommt um die heikle Frage herum: warum tut man so etwas?

Eine Freundin:

Ich möchte gerne einige kleine Anmerkungen zu Deiner Lesung machen. Es hat mir gefallen, dass Du einfühlsam und ohne ideologischen Überbau die Ereignisse im April 1973 geschildert hast. Die Besetzung des Rathauses ist nicht in meiner Erinnerung. Mir haben die Hintergrundinformationen über den Vietnam-Krieg und auch die Darstellung der KPD AO gut gefallen.
Für Leute mit Geschichtsinteresse ist das spannend. Gut fand ich auch Deine Reflexion über Deine eigene politische Beteilung in der damaligen
Zeit. Sehr persönlich und auch mutig. Die Schilderung: Was kam Danach sprich Friedens- Akw-Alternativbewegung, die Grünen bis ins Heute mit
Fridays for Future fand ich gelungen und ich kann nur hoffen, daß auch mal junge Menschen Dein Buch lesen.
(...) Es hat auch etwas Naives, Rathaus besetzen, Aktion machen, für die einen Steigerung des Wir-Gefühls, Stolz und Triumpf für die anderen ein Weglaufen vom Dogmatismus. Da ist der unausgesprochene Konflikt, der die Auflösung vorbereitet.
(...) Danke auch für Erich Fried.