Dortmunder Bücherstreit

Geschwister

U. Moeske | H-D Koch | M. Brentzel | R. Booß

 

Der 40. Dortmunder Bücherstreit ist am

19. Oktober 2017 20 Uhr.

Im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek, Max-von-der-Grün-Platz 1-3.

Als Gast: Julia Sattler
und sonst: die üblichen Verdächtigen (siehe Foto)

Es wird ein lustiger Abend! der 40. muss gefeiert werden.

Meine besondere Empfehlung: Uta Ruscher: Fiorenza Dal Violin.

Ein Roman über das Hören, der beim Lesen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, man nicht aufhören will, mehr von diesem gebrandtmarkten Säugling zu erfahren. Vorerst wird das Mädchen bei Pflegeeltern untergebracht, die nur ihre Arbeitskraft und das Findelgeld wollen. Sie wird geschlagen und ausgenutzt. Ein örtlicher Priester entdeckt ihre außergewöhnliche Begabung, bringt sie zurück ins rettende Findelhaus in Venedig, wo die Mädchen zu Musikerinnen ausgebildet werden. Ihre Lehrerin war einst Meisterschülerin von Vivaldi. Fiorenzas Geigenspiel wird die Bühnen Europas erobern. Doch die junge Frau will mehr, sie will das für Frauen Unmögliche: Komponieren!
Mit hervorragender Sachkenntnis nimmt Uta Ruscher uns mit der Lebensgeschichte der Fiorenza in das Venedig des 18. Jahrhunderts, wo ein Findelkind die Chance erhält, zur gefeierten Geigerin Europas zu werden, was nicht ohne Leid und menschliche Abgründe zu realisieren ist. Nüchtern und in einer klaren und zugleich poetischen Sprache erfahren wir vom Schicksal dieser mutigen und hoch talentierten Frau, die mehr will als Frauen zu dieser Zeit zugestanden wird.
Eine dringende Empfehlung an alle, die Musik und Venedig lieben und mehr wissen wollen vom nicht endenden Kampf der Frauen für die freie Entfaltung ihrer Talente.

Marianne Brentzel

Zu beziehen über Amazon.

Ein Trailer auf Youtube führt in das Thema ein.

 

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

Roman
Aufbau Verlag, Berlin 2017, 309 Seiten, 22 Euro

Olga Grjasnowa gelingt es in ihrem Roman "Gott ist nicht schüchtern", das Schicksal syrischer Flüchtlinge in besonders ergreifender Form zu schildern. Erzählt wird die Geschichte zweier junger Syrer, der Schauspielerin Amal und des Arztes Hammoudi, deren Leben vom Bürgerkrieg jäh erschüttert wird. Ihre enorme emotionale Wucht entfaltet die Geschichte durch die nüchterne Schreibweise. Von Folter, Flucht und Krieg wird erzählt, bisweilen gar an die Grenzen des Erträglichen. Wie dieser grausame zuerst Bürger- jetzt alle Kräfte sich einmischende Krieg die Existenzen vernichtet, Hoffnungen zerstört und nichts übrig läßt von den einstigen Lebenserwartungen. Das kann man hier in literarisch gekonnter Weise nachlesen.

Die Autorin ist in Aserbaidschan geboren, selbst verheiratet mit dem syrischen Schauspieler und Regisseur Ayham Majid Agha, und beweist hier eine sehr konkrete Kenntnis des syrischen Lebens der Oberklasse.