Dortmunder Bücherstreit

Geschwister

U. Moeske | H-D Koch | M. Brentzel | R. Booß

 

Der 41. Dortmunder Bücherstreit ist am

12. April 2018 20 Uhr

im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek, Max-von-der-Grün-Platz 1-3.
Als Gast: Julia Sattler
und die üblichen Verdächtigen (siehe Foto)

Die Mayersche Buchhandlung hat sich leider vom Bücherstreit verabschiedet, da der Buchverkauf ihr nicht ausgereicht hat. Nun schon zum zweiten Mal übernimmt die Buchhandlung Litfaß die Zusammenarbeit. Das freut mich sehr!

Die Neuerscheinungen, die bald "bestritten" werden:

Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind? Wallstein
Arno Geiger: Unter der Drachenwand. Hanser
Jakob Hein: Die Orientmission des Leutnant Stern. Galiani Verlag
Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen. Hanser
Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf. S.Fischer

 

Gern empfehle ich:

Ljudmila Ulitzkaja: Jakobsleiter. Roman

Carl Hanser Verlag, München 2017

Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrer kleinen Familie nach Moskau. Während Marussja der neuen Regierung vertraut, erkennt Jakow die Zwiespältigkeit der sozialistischen Regierung, die seine Ideale auf den Kopf stellt.

Wir lernen die Familienmitglieder aus verscheidenen Epochen von 1911 bis 1954 kennnen. Ein spannendes Zeitpanorama und eine mutige Aufarbeitung persönlicher und politischer Geschichte in einem. Die von der Autorin anhand von Briefen und Tagebüchern vorgenommene Rekonstruktion des Lebens ihres Großvaters zieht uns in ihren Bann, spiegelt diese Geschichte doch die Verwerfungen und Brüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Russland und der Sowjetunion wider. Es ist eine Erzählung von Liebe und Verrat, Einsamkeit und Solidarität, Mut und Feigheit empathisch und humorvoll zugleich.
Viel Vergnügen beim Lesen!


Meine besondere Empfehlung: Uta Ruscher: Fiorenza Dal Violin.

Ein Roman über das Hören, der beim Lesen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, man nicht aufhören will, mehr von diesem gebrandtmarkten Säugling zu erfahren. Vorerst wird das Mädchen bei Pflegeeltern untergebracht, die nur ihre Arbeitskraft und das Findelgeld wollen. Sie wird geschlagen und ausgenutzt. Ein örtlicher Priester entdeckt ihre außergewöhnliche Begabung, bringt sie zurück ins rettende Findelhaus in Venedig, wo die Mädchen zu Musikerinnen ausgebildet werden. Ihre Lehrerin war einst Meisterschülerin von Vivaldi. Fiorenzas Geigenspiel wird die Bühnen Europas erobern. Doch die junge Frau will mehr, sie will das für Frauen Unmögliche: Komponieren!
Mit hervorragender Sachkenntnis nimmt Uta Ruscher uns mit der Lebensgeschichte der Fiorenza in das Venedig des 18. Jahrhunderts, wo ein Findelkind die Chance erhält, zur gefeierten Geigerin Europas zu werden, was nicht ohne Leid und menschliche Abgründe zu realisieren ist. Nüchtern und in einer klaren und zugleich poetischen Sprache erfahren wir vom Schicksal dieser mutigen und hoch talentierten Frau, die mehr will als Frauen zu dieser Zeit zugestanden wird.
Eine dringende Empfehlung an alle, die Musik und Venedig lieben und mehr wissen wollen vom nicht endenden Kampf der Frauen für die freie Entfaltung ihrer Talente.

Marianne Brentzel

Zu beziehen über Amazon.

Ein Trailer auf Youtube führt in das Thema ein.

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

Roman
Aufbau Verlag, Berlin 2017, 309 Seiten, 22 Euro

Olga Grjasnowa gelingt es in ihrem Roman "Gott ist nicht schüchtern", das Schicksal syrischer Flüchtlinge in besonders ergreifender Form zu schildern. Erzählt wird die Geschichte zweier junger Syrer, der Schauspielerin Amal und des Arztes Hammoudi, deren Leben vom Bürgerkrieg jäh erschüttert wird. Ihre enorme emotionale Wucht entfaltet die Geschichte durch die nüchterne Schreibweise. Von Folter, Flucht und Krieg wird erzählt, bisweilen gar an die Grenzen des Erträglichen. Wie dieser grausame zuerst Bürger- jetzt alle Kräfte sich einmischende Krieg die Existenzen vernichtet, Hoffnungen zerstört und nichts übrig läßt von den einstigen Lebenserwartungen. Das kann man hier in literarisch gekonnter Weise nachlesen.

Die Autorin ist in Aserbaidschan geboren, selbst verheiratet mit dem syrischen Schauspieler und Regisseur Ayham Majid Agha, und beweist hier eine sehr konkrete Kenntnis des syrischen Lebens der Oberklasse.